Kindergarten
⛅ 11.1.2025
Tschilp
Föhnsturm und Sonne haben ganze Arbeit geleistet. Viel vom weihnachtlichen Schnee ist weggeschmolzen. Selbst hier im Mittelgebirge. Die Zweige von Bäumen und Sträuchern liegen wieder frei. Lassen mich all ihre Knospen und verschrumpelten Früchte sehen. Und auch das Vogelnest hoch oben in der Krone.
Im Gebüsch neben mir tschilpen Spatzen. Mit aufgeplustertem Gefieder hüpfen sie kurz auf dem Weg herum. Streiten um ein paar ausgestreute Körner. Verziehen sich wieder zurück ins Astgewirr.
Riesen
Weiß glänzen die verschneiten Gipfel in der Sonne. Doch die Wiesen und Äcker sind nur mehr in schattigeren Lagen ganz vom Schnee bedeckt. Zahlreiche Spuren von Mensch und Tier kreuzen die Oberfläche. Die Sonnenwärme hat sie angeschmolzen und vergrößert, als wären es lauter Riesen gewesen.
Knorrige Apfelbäume und Birkengruppen unterbrechen die gleichförmige Fläche. Auch Weiden und Holundergebüsch bieten Lebensraum für die Tiere mitten im Anbaugebiet.
Jeder Übergang von der Sonne in den Schatten ist ein richtiger Temperaturschock. Du kennst das sicher! Zieh ich jetzt Mütze und Handschuhe an, oder lieber doch nicht?
Widerhaken
Im Wald brauch ich dann nicht mehr zu überlegen. Dunkel ist es hier, und der Forstweg blankes Eis. Ich kram meine Steigeisen hervor und stütz den Fuß auf einen Zaun, um sie anzuziehen. Da seh ich die Klettenfrüchte. Mit ihren Widerhaken haben sie sich im Lodenstoff meiner Schuhe festgekrallt. Als ich daran ziehe, zerfallen sie in ihre Einzelteile. Ob die Samen im Frühling hier wohl keimen werden?
Üppig wächst das Schaumkraut neben einem aufgeschütteten Erdhügel. Vom Baumpilz geschützt gedeiht der Gundermann. Wie an so vielen Stellen hat auch hier der Holunder Ohren. Und die Knoblauchsrauke reckt ihre grünen Blätter aus dem Schnee.
Blut
Knallrote Schneeballbeeren lassen mir das Wasser im Mund zusammenrinnen. Hast du sie heuer schon probiert? Der lange Frost hat sie viel milder gemacht. Jetzt schmecken sie doppelt so gut. Doch beim Pflücken zerplatzen die prallen Früchte. Besprenkeln meine Hände ganz rot, wie mit Blut. Also spar ich mir das und zupfe die nächsten gleich mit den Zähnen vom Strauch.
Zwei lachende Kinder kommen mir entgegen. Von der Kälte sind ihre Wangen ganz rot. Noch bevor sie mich erreichen, schwingen sie sich auf ihre Rodeln und sausen den Weg bis in die Wiesen hinab.
Paten
Langsam folg ich ihnen zurück in die Sonne, die jetzt aber gar nicht mehr wirklich wärmt. Links von mir Hecken mit Hagebutten. Meine liebste Winternascherei. Ihre Knospen genauso rot wie die Früchte. Dazwischen unansehnlich braune Berberitzen. Jeder Strauch mit Stacheln oder Dornen besetzt.
Rechts am Weg steht eine Reihe kleiner Bäume. Alle sind mit Schildern versehen und liebevoll von Kinderhand bemalt. Hier haben Kindergartenkinder die Patenschaft übernommen. Was für eine wunderbare Idee vom örtlichen Obst- und Gartenbauverein!
Obst
Mit winzigen Knospen ist der Kirschbaum besetzt. So viele gedrängt an einem Zweig! Rehbraun, dick und stumpf sind sie, mit vielen Schuppen. Eine alte Kirsche hängt auch noch dran.
Die vom Zwetschgenbaum sitzen auf jungen, roten Trieben. Sie sind deutlich kleiner, weniger bauchig und zugespitzt.
Einzeln stehen die großen Knospen der Birne. Ihre Zweige fallen deutlich grober aus. Aber sie ist auch schon eine alte Dame und ihre Rinde mit bunten Flechten verziert.
Zu früh ausgetrieben hat wohl der Apfelbaum. Nur wenige seiner Knospen sind noch ganz zu. Und die jungen Blätter leider erfroren. Ich hoffe, dass er sich wieder erholt!
Nicht eine einzige dieser wunderbaren Knospen hab ich gekostet. Von diesen kleinen Bäumchen wollt ich nichts nehmen. Aber wenn du an größeren Obstbäumen vorbeikommst oder selbst welche in deinem Garten hast, dann greif ruhig zu! Steck dir ein oder zwei Knospen in den Mund! Sie alle sind essbar und schmecken so gut! Umso besser, je näher du dem Zeitpunkt ihrer Öffnung kommst. Eine geballte Ladung Lebenskraft, in der ein Blatt, eine Blüte oder sogar ein ganzer Zweig schlummert.
Eisigkalt sind jetzt meine Hände, sodass ich die Tasten meiner Kamera kaum mehr drücken kann. Also nur mehr schnell die „Luftgütemessung“: die Anzahl der Flechten zeigt, dass sie hier passt. Auch ein paar Bilder von den Heckenrosen. Dann zieh ich die Handschuhe wieder an.
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